Die Pubertät oder auch Flegelphase beim Hund – meist zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat - ist eine sehr herausfordernde Zeit. Aus deinem zuvor scheinbar gut erzogenen Welpen wird plötzlich ein eigenwilliger Teenager auf vier Pfoten. In dieser Zeit verändern Hormone, Gehirnentwicklung und soziale Reifung das Verhalten des Hundes erheblich.
Welche Probleme treten in der Pubertät bei Hunden auf?
Viele Hunde beginnen in der Pubertät damit, Gegenstände zu zerstören oder deinen Garten um zu buddeln. Auch vermehrtes Bellen, Aggression, Wesensveränderungen und fehlender Gehorsam zählen zu den typischen Erscheinungen der Pubertät beim Hund. Wie du mit den unterschiedlichen Situationen in der Pubertät am besten umgehst und wie ihr gut durch diese Zeit kommt, erfährst du hier.
Annagen von Gegenständen
Während der Pubertät können Verhaltensänderungen auftreten, die für dich vielleicht echt überraschend sind. Manch ein Hund zerstört alles in der Pubertät. So werden Möbel, Schuhe oder andere Gegenstände angekaut oder zerbissen. Dahinter steckt aber keine „Boshaftigkeit“, sondern überschüssige Energie, Frust, Stress, Unterforderung oder Überforderung oder das Bedürfnis, sich selbst zu beschäftigen. Regelmäßige Auslastung, Ruhephasen und geeignetes Kau- und Beschäftigungsmaterial können dir helfen, das unerwünschte Zerstörungsverhalten zu reduzieren.
Unnötiges und übermäßiges Bellen
Hunde können in der Pubertät deutlich mehr bellen als zuvor. Ursachen sind dabei oft Unsicherheit, Wachsamkeit, Frust, Aufregung und unbekannte Umweltreize.
Der Hund beginnt zu schnappen in der Pubertät
Manch ein Hund schnappt in der Pubertät zu. Häufig handelt es sich dabei um Übersprungshandlungen, Frustration, Unsicherheit oder Überforderung. Wenn dein Hund in der Pubertät allerdings richtig zubeißt, solltest du das immer ernst nehmen. Bei wiederholtem oder ernsthaftem Beißverhalten solltest du am besten professionelle Unterstützung durch qualifizierte Hundetrainer oder Verhaltenstherapeuten in Anspruch nehmen.
Wesensveränderung beim Hund in der Pubertät
Du hast das Gefühl, dein Hund hat sich komplett verändert? Tatsächlich sind scheinbare Wesensveränderungen in der Hunde-Pubertät häufig. Dein Hund kann dabei plötzlich, distanziert wirken oder weniger verschmust sein, stärker auf Umweltreize reagieren, territorialer werden oder mehr Eigeninitiative entwickeln.
Aggression in der Pubertät beim Hund
Zum Aggressionsverhalten gehört beispielsweise das Anpöbeln anderer Hunde, das Knurren in bestimmten Situationen, Verteidigung von Spielzeug oder Futter und Imponierverhalten. Häufig handelt es sich aber eher um Unsicherheit und mangelnde Selbstkontrolle. Wichtig ist, Ruhe zu bewahren und nicht mit Härte zu reagieren.
Gehorsam scheint verschwunden
Dein Hund ignoriert deine Signale? Dein Hund läuft auf eurer Gassirunde ein gutes Stück vor dir und du rufst ihn zu dir zurück. Das Signal „hier“ hattet ihr fleißig geübt und dein Vierbeiner hat ohne Probleme darauf reagiert. Und nun scheint alles wie weggeblasen. Dein Hund ignoriert deine Signale und läuft weiter, als hätte er nichts wahrgenommen. Das liegt in der Regel daran, dass viele Hunde während der Pubertät leichter abgelenkt sind, impulsiver handeln, Risiken ausprobieren und Prioritäten anders setzen. Signale müssen während der Pubertät bei Hunden häufig neu gefestigt und unter langsam steigender Ablenkung erneut trainiert werden.
Pubertät und Angst bei Hunden
Nicht jeder Hund wird während der Pubertät mutiger! Manche zeigen plötzlich Unsicherheit gegenüber bekannten Dingen, Schreckhaftigkeit, Vermeidungsverhalten, Bellen aus Unsicherheit und Rückzug. Hier empfiehlt es sich, behutsam zu agieren. Mit Zwang oder Druck wird die Problematik häufig verschärft.
Wann ist die schlimmste Phase der Pubertät beim Hund?
Die intensivste Phase der Pubertät beim Hund liegt meist zwischen dem 8. und 18. Lebensmonat, bei großen Rassen sogar bis zum Alter von 2-3 Jahren. Der genaue Zeitraum hängt stark von Rasse, Größe und individuellem Charakter ab.
Was ist zu tun, wenn dein Hund in der Pubertät ist?
Die wichtigste Regel lautet: Konsequent, aber gelassen reagieren.
8 Tipps für Hundehalter mit Hund im Flegelalter:
- Bekannte Regeln weiterhin einfordern
- Kurze, regelmäßige Trainingseinheiten durchführen
- Erfolgreiches Verhalten belohnen
- Ausreichend Ruhezeiten ermöglichen
- Frust und Überforderung vermeiden
- Sozialkontakte kontrolliert gestalten
- Geduldig bleiben und Rückschritte akzeptieren
- Bei Problemen frühzeitig professionelle Hilfe suchen
Fazit
Die Pubertät beim Hund ist eine völlig normale Entwicklungsphase, die oftmals mit Unsicherheit, nachlassendem Gehorsam, Bellen, Zerstörungsverhalten oder sogar aggressiv wirkendem Verhalten einhergeht. Die meisten Herausforderungen kannst du mit Geduld, klaren Regeln, konsequenter Erziehung und Verständnis bewältigen. Bei massiven Problemen solltest du dir professionelle Hilfe von einem Hundetrainer holen.
Quellen:
Asher et al.: „Teenage dogs?“, 2020
Hollinshead, F. et al.: „Canine Puberty“, 2025
Schroll, S.; Dehasse, J.: „Verhaltensmedizin beim Hund“, Enke, 2. Auflage 2016